Könnten das mögliche Symptome einer (p)DIS sein?

Ich habe mich seit ein paar Wochen in dem Thema eingelesen und frage mich ob meine "Symptome" zu einer DIS (ich denke wahrscheinlich eher PDIS) passen würden und wie das Menschen die davon betroffen sind beurteilen würden. Ich habe auch eine Autismusdiagnose, daher könnte es sein dass manche Punkte meiner gleich folgenden Auflistung vllt daher stammen (Es gibt Punkte die würden zu beidem passen)

- Ich habe seit ich denken kann mehrere Stimmen in meinem Kopf, sie alle haben eigene Persönlichkeiten, eine andere Stimme als die mit der ich spreche, sowie eigene Vorlieben (z.B. Essen/Trinken), jeweils ein zugehöriges Geschlecht, manche ein bestimmtes Aussehen, Ängste

- Als Kind habe ich oft nicht auf meinen Namen reagiert und manche meiner Stimmen sind mehr von dem Namen der mir gegeben wurde abgeneigt als andere.

- Ich habe keine extrem große Erinnerungslücken im Alltag, jedoch finde ich ab und zu Notizen und Gemaltes, was von mir sein müsste aber ich erinnere mich nicht daran. Ebenso erinnere ich mich regelmäßig nicht an Teile von Gesprächen die ich mit anderen führe und habe oft Probleme mich zu erinnern was ich den Tag oder vor kurzer Zeit gemacht habe

- Ich weiß oft nicht ob ich Dinge schon getan habe, daran gedacht habe oder nur geträumt habe - Phasenweise haben ich extreme Probleme Träume und Realität auseinander zu halten oder Träume sind für mich der Erfahrung eines normalen Alltags gleichgestellt - Ich könnte nicht sagen, was mich als einzelne Person ausmacht, da ich nicht das Gefühl habe eine Person zu sein oder eine Kernpersönlichkeit zu haben

- Ich habe das Gefühl, das die meiste Zeit 1-2 Stimmen präsent sind, und sehe die (so als ob ich agieren würde) und bin verwirrt wenn ich in den Spiegel schaue

- Ich muss immer länger über meine Persönlichen Daten wie Name, Alter,Geschlecht und Herkunft nachdenken, sie sind nicht wirklich an mich gekettet,

- Teile meiner Stimmen erinnern sich bildhaft an Dinge, während sie für andere kaum greifbar oder wie in einem Traum sind - Meine Erinnerungen sind meist so, als ob sie eine andere Person erlebt hätte und es mich nicht selbst betrifft

- Diese Erinnerungen und auch ca. die Hälfte +- eines normalen Alltags nehme ich wahr, als ob es aus einer Third-Person-View wäre

- Ich habe generell Derealisations- und Dissoziationserfahrungen, zB mich selbst nicht im Spiegel zu erkennen - Enge Freunde von mir meinen ich hätte starke Stimmungsschwankungen und es ist öfter so als ob ich eine andere Person sei und ich lege kontroverses Verhalten an den Tag (Bsp. ich werde generell als nicht aggressiver Mensch beschrieben, aber es kommt zu Zeiten da ist es genau das gegenteil, ich selbst erinnere mich danach nicht 100%ig daran und habe das Gefühl einfach zuzuschauen und nicht viel dagegen machen zu können)

- Wenn ich unter mehr Stress stehe kommt es zu mehr Kommunikation zwischen den Stimmen. In meinem inneren sehe ich dann immer einen Raum mit Stühlen in denen Diskussionsrunden geführt werden

- Ich habe teile in mir die extreme Bodydysmorphia empfinden und andere können damit leben eine Frau zu sein Mir ist bewusst das dies hier kein Besuch bei einem Therapeuten etc. ersetzt, ich würde jedoch gerne wissen ob meine Bedenken gerechtfertigt scheinen oder das noch als Sache die keiner weiteren Beachtung bedarf angesehen werden kann.

Ich bedanke mich für jede Antwort, da das Thema sehr an mir nagt und ich einfach wissen möchte wie ich damit umgehen soll, da es mich seit Jahren belastet, aber ich nie eine mögliche Erklärung hatte


Hinweis von Linehme:
Grundsätzlich gehören alle Fragen rund zum Thema Diagnostik / Symptome in die Hände des Arztes / Therapeuten / Diagnostiker.
Ich möchte dich ermutigen bspw. in der ambulanten Therapie darüber zu sprechen. Stimmen hören ist grundlegend ein normales und bekanntes Phänomen, dies muss nicht pathologisch sein. Ebenso verhält es sich mit dem Erinnerungsvermögen, das kann auf eine Erkrankung oder eine psychiatrische Diagnose hinweisen, muss aber nicht. In der Kombination mit einer Autismus-Spektrum-Störung, könnte eine trennscharfe Abgrenzung aufwendiger sein. Aus meiner Sicht können sich die von dir geschilderten Erlebnisse auch anders erklären lassen, als mit einer (partiellen) dissoziativen Identitätsstörung.

Antworten von Betroffenen der dissoziativen Identitätsstruktur:

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Hallo Ellis,

wir möchten dir gerne direkt antworten, wobei wir ganz wichtig finden, was Linehme geschrieben hat. Eine Diagnostik ist gerade bei einer DIS schwierig und langwierig und gehört wirklich in gute Hände mit einem guten Wissen über DIS und im besten Fall auch mit Erfahrung in diesem Gebiet.

Wir kennen aus eigener Erfahrung wie es ist wenn man so die Idee im Kopf hat, da könnte irgend etwas sein. Da ist man irgendwie anders als andere. Wir haben dann immer mal zaghafte Versuche gestartet und uns leider viel zu selten getraut andere Menschen zu fragen, wie es bei denen ist.
Z.B. mit den Stimmen, den Diskussionen im Kopf und allem. Da hätten wir uns nie getraut eine Freundin zu fragen, ob sie das auch kennt. Für uns war das allerdings auch so normal, dass wir tatsächlich gedacht haben, dass das bei allen Menschen so ist. Wir waren so unglaublich erstaunt, als wir in Erfahrung brachten, dass das gar nicht bei allen Menschen so ist.
Wir hatten schon ganz, ganz lange das Empfinden, dass wir sehr wenige Erinnerungen an unsere Kindheit haben. Aber immer wenn wir das mal so in ein Gespräch einfließen ließen, kam von den anderen so etwas wie "ach, so etwas weiß ich auch nicht mehr..., man erinnert sich ja auch wirklich nicht an alles...." Dass da aber zwei total unterschiedliche Maße dahinter standen, dass konnten wir auch erst nach unserer Diagnose aufdecken.
Um nur mal zwei Punkte raus zu greifen.

Wir finden deinen Gedanken, deine Überlegung, dass es evtl. eine DIS oder pDIS sein könnte bei dem von dir beschriebenen absolut verständlich, nachvollziehbar und sogar, richtig, richtig, gut und mutig! Wir erkennen uns in den meisten von euch beschriebenen Punkten wieder. Und bei uns gibt es einige die stark autistisch veranlagt sind. Andere wieder überhaupt nicht.

Daher möchten wir euch ermutig den Weg weiter zu gehen. Bei uns war es so, dass wir alle Fachbücher zum Thema DIS quasi eingeatmet haben. Die Offizielle Diagnose zu bekommen, war für uns dann eine große Erleichterung.

Lieben Gruß,

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ja definitiv finden wir es angebracht, daß Du Deinen Feststellungen Beachtung schenkst und Du Dich darum kümmerst, erst recht, wenn es Dich belastet.

Soweit das in dieser Kürze möglich ist, deuten die aufgelisteten Erfahrungen auf eine pdis - dis hin, bzw.
fallen in das Spektrum der dissoziativen Störungen,
freilich bräuchte man ein viel umfassenderes genaueres Gesamtbild, damit man wirklich eine Diagnose stellen kann - könnte,
und auch über einen längeren Zeitraum - sowohl die eigene Lebensgeschichte betreffend zusammengefaßt als auch eine gewisse aktuelle Zeitspanne beobachtend.

Es kommt jetzt drauf an, wie Du da rangehen willst, wir sehen da drei Möglichkeiten:

Wenn Du stabil genug bist, sehr gut reflektieren & beobachten & filtern & unterscheiden kannst (im Sinne von: habe ich, habe ich nicht, habe-hatte ich teilweise-fallweise-selten, weiß ich nicht, ...), gibt es die Option, das Buch von Jan Gysi "Diagnostik von Traumafolgestörungen. Multiaxiales Trauma-Dissoziations-Modell nach ICD 11." zur Hand zu nehmen, da bekommt man einen sehr gut fundierten Einblick und Überblick und gleichzeitig auch Unterscheidungs- & Abgrenzungsmöglichkeiten für-von anderen Erkrankungen-Einschränkungen z.B. auch Autismus; der Trauma-Begriff wird genau erläutert;
alles im Spektrum der vielfältigen dissoziativen Störungen.

Wenn Du das lieber langsamer mit Begleitung einer Therapeutin, die auch Diagnostik anbietet, machen möchtest, hast Du schon den Vorteil, daß die Thera Dich in den Diagnostik-Stunden-Zeitraum schon gut kennenlernt, falls Du danach Therapie machen wollen würdest, nur im Falle.
Und es ist auch gut, daß Du bei all den schwierigen Themen aufgefangen wirst bzw. Unterstützung erhältst; die Testungen dies da gibt, sind nicht ohne und können einen sehr durcheinander bringen.

Und eine weitere Möglichkeit ist, daß Du eine Diagnostik in einem Institut machen läßt, die sich mit dissoziativen Störungen wirklich auskennen und bereits nach ICD 11 diagnostizieren.
Auf keinen Fall nach ICD-10 diagnostizieren lassen, das ist der Stand vor zwanzig Jahren und viel älter & gelinde gesagt - in diesem Bereich - kontraproduktiv. Da hat sich fachlich, technisch, in den betreffenden Wissenschaften, auch international gesehen, sehr sehr viel getan & verändert, sowohl im wissenschaftlichen Konsens als auch bei Diagnostik- und Therapie-Möglichkeiten.

Eine kompetente umfassende sinnvolle Diagnostik im Bereich der dissoziativen Störungen und nach ICD 11 braucht auf jeden Fall mehrere Termine und einen gewissen Zeitraum, je nach Intensitäten & Amnesien & Gesamtlage, unterschiedlich lang.

Mögest Du Klarheit finden und einen für Dich guten passenden Weg, damit umzugehen, alles Gute.

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weitere Antworten folgen!

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