Hallo, meine Frage an Betroffene einer (p)Dis lautet: Ich „sehe“ Anteile in meinem Kopf Dinge tun oder höre sie etwas sagen, was sie dann später so oder ähnlich tatsächlich im Außen tun oder sagen. Teils ohne oder mit Amnesie (wird mir dann berichtet). Kennt das jemand? Fühle mich damit manchmal wie ein Schauspieler und bin verzweifelt darüber. Vielen Dank!

Antworten von Betroffenen der dissoziativen Identitätsstruktur:

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 Hallo,

Wir hören uns gegenseitig im Kopf. Ja, das kennen wir schon unser Leben lang. Sehen, mmh, wir arbeiten viel mit Imaginationen und da sehen wir uns natürlich gegenseitig. So im Alltag unterhalten und diskutieren wir miteinander. Das jemand im Innen etwas sagt was er gerne machen möchte oder braucht und dann nach Außen geht, um das zu tun. Ja, das ist bei uns auch so. Für uns ist das auch vollkommen in Ordnung. Wir wissen aber auch, dass es so sein kann, dass jemand im Innen ist, die total Hunger auf ein Käsebrot hat. Wenn dann die im Außen das mitbekommt und dann ein Käsebrot zubereitet und ist, dann bleibt diejenige die das ursprünglich gesagt und damit angeregt hat bei uns im Innen. Ist bei uns z.B. so, weil einige von uns keinen Hunger empfinden. Vielleicht klappt das bei dir ja auch? Wir haben gelernt, dass es wirklich hilfreich ist, gut den anderen zuzuhören, wenn man im Außen ist.

Lieben Gruß,

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Also wir "sehen" keine Anteile im Kopf Dinge tun, die sie dann später außen machen, wenn damit eine bildliche Vorstellung wie z.B. bei einem Film gemeint ist.

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Mh.. ich kann manche Anteile im Innen sehen. Da kann ich auch sehen, was sie machen. Im Außen weiß ich das leider nicht. Bei dir klingt es, als würden sie im Innen üben, was sie im Außen sagen? Das könnte theoretisch schon sein, wenn sie sich vl auf ein Gespräch vorbereiten wollen oder unsicher sind, wie sie Dinge formulieren sollen? Also zumindest wäre das ein Grund für mich, der mir logisch erscheint. Kannst du sie denn fragen, wieso sie sich so verhalten?
lg

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Zusatz von Fuer-Elise:
Danke für die Beantwortung meiner ersten Frage! Wenn ich zb darüber nachdenke, was ich später mit meinem Thera besprechen könnte, höre ich - oder stelle ich es mir vor?- Anteile mitteilen, was sie gern loswerden wollen. Dadurch entsteht ein Bild bei mir, wie das dann in der Stunde aussehen könnte. Es läuft dann oft nicht so ab, aber manchmal höre ich „mich“ die Dinge aussprechen, die zuvor in meinem Kopf waren. Oder mir wird berichtet, ein Anteil hätte dies oder jenes gesagt, wobei dies Sachen sein können, die ich zuvor im Kopf gehört habe. Kennt das jemand? Es quält mich so, vielleicht eine Schauspielerin zu sein, dabei geht es mir wirklich gerade schlecht. Danke an euch!

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also ich kenn das auch aus der Anfangszeit, als ich die anderen noch nicht so wirklich kannte und ich in einem Auseinandersetzungs- und Konfrontationsprozes war, dass das eigenständige Anteile sind. Die Jahre zuvor dachte ich immer, das wäre so egostatesmäßig verschiedene Facetten meiner Person und dann wurde aber immer deutlicher, dass da welche da waren, das war nicht ich! In dieser verwirrenden Phase verwischte das manchmal innen drin auch, dass ich mir manchmal vorgestellt hab, was Einzelne wohl sagen würden/könnten (so wie ich sie einschätze) und manchmal hatte ich aber auch wirklichen Kontakt, dass ich "gehört" hab, was die tatsächlich sagten oder dachten.

Auch in der therapie war es manchmal so, dass meine Vorstellung tatsächlich richtig war, also dass die anderen das tatsächlich auch so empfunden haben und gesagt haben und manchmal hab ich gemerkt, dass ich mir nur ein Bild davon gemacht hat und aber das, was tatsächlich geredet wurde, etwas ganz anderes war. Das waren dann auch diese Momente, wo ich wieder gemerkt habe, dass das eben eigenständige Leute sind. Manch anderes war auch vertraut, weil ich das so oder ähnlich bruchstückhaft auch schon mal vorher mitbekommen habe von innen drin.

Ich sehe das als eine Form der Annäherung, so wie wenn man im Aussen auch neue Leute kennenlernt. Da überlegt man sich ja manchmal auch: was würde die oder der jetzt dazu sagen? Was denkt sie/er wohl dazu? Und manchmal passt das und manchmal liegt man total daneben. Nur dass es halt im "aussen" viel einfacher ist das wahrzunehmen, ob der/diejenige gerade tatsächlich da ist oder ob ich mir nur vorstelle, dass sie da ist.
Aber egal ob erstes oder letzteres: die anderen im Körper existieren ja unabhängig davon, ob und wieviel ich von ihnen wahrnehme.

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Ich schließe mich da an. Uns gehts bei einem Anteil ähnlich, den wir gerade neu kennenlernen und daher die Kommunikation noch nicht wirklich klappt. Da ist manchmal nur so ein Gefühl, was der Anteil denken oder sagen könnte, manchmal stimmt das dann auch tatsächlich, manchmal nur zum Teil, die meiste Zeit wissen wir es einfach nicht.
Umgekehrt, wenn ich einen Anteil sehr gut kenne, kann ich bei manchen Dingen auch vorher abwägen, wie wohl der Anteil auf diese oder jene Aktion reagieren würde. Dann kann es natürlich auch sein, dass das tatsächlich dann auch so ist, einfach, weil man die Reaktionsmuster schon kennt.
Die dringende Frage, die ich da immer wieder rauszulesen meine ist die Frage "Bild ich mir das ein oder ist das echt?". Also lüge ich mich und mein Umfeld an oder sind da wirklich Anteile, die kommunizieren. Ich glaube, dass es normal ist sich immer wieder zu fragen, ob man jetzt nicht vl doch einen an der Klatsche hat. Du darfst aber dir selbst und deiner Wahrnehmung bzw. auch der Wahrnehmung deines Therapeuten vertrauen. Mit der Zeit wirst du die anderen auch besser kennen lernen, was dir im Umgang mit ihnen mehr Sicherheit geben wird.
Alles Gute!

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manchmal höre ich „mich“ die Dinge aussprechen, die zuvor in meinem Kopf waren

so kennen wir das auch,
also wir "sprechen"-denken innen, und dann kommt das dann raus, nach außen, nicht beeinflußbar, da finden dann anteile den Weg, das auszusprechen, auch wenn das andere von uns nicht wollen usw. ...

bei uns war-ist das nur eine Facette wie sich Anteile bei uns zeigen - bemerkbar machen
mit der Zeit und mit den Wiederholungen und Anteilearbeit usw. wurde-wird das Bild etwas "vollständiger" und klarer ........
und wenn dann auch Kommunikation bzw. auch co-bewußt-sein möglich ist und mehr wird, erweitert das das gesamt-bild, und bei uns reduzierte das das zweifeln,
dann gehts mehr um - so ist das - was mach ma jetzt damit ...

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das im Kopf sachen durch gegangen werden - was gesagt werden könnte usw.
für uns absolut normal (das es dann haufig ganz anders wird - ist dabei nicht schlimm)

manchmal eigenartig ist es wenn ich den Körper etwas sagen höre und nicht weis was er sagen wird.
das war am anfang befremdlich wenn man dann denkt "halt doch die klappe - was sagst du denn da"
aber es ist dann nicht beeinflussbar

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Jo. Das ist hier auch so. Es wird manchmal was gesagt, was einfach irgendwie rausplöppt und das kann ich nicht ändern und verhindern.
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Ich sehe keine Anteile visuell, spüre aber die Impulse der Anteile wie sie sich selbst wahrnehmen.
Für mich klingt das "höre sie etwas sagen, was sie dann später im Außen sagen" einerseits wie eine selbsterfüllende Prophezeiung oder wie ein inneres Echo, was dann zu einem nicht steuerbaren Zwang wird das genau so zu tun.

Ich würde mich fragen, warum diese Wahrnehmung so stark bewertet wird? Schadest du mit deiner Wahrnehmung irgendwem? Ist es nicht völlig egal, wie du deine Realität wahrnimmst? Warum ist man ein schauspieler, wenn man etwas wahrnimmt? Welchen zweck hätte es sich sowas einzureden, wenn es doch dein Erleben ist?

Ich würde mir das Wort Schauspieler mal genauer in der Therapie ansehen, ich kenne das auch und das ist fürchterlich sich so zu fühlen. Sich dem Thema mehr zu widmen hat bei mir geholfen.

 


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